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Mathematik mit Spaß lernen

 

Gedichte
(alle Rechte bei Wolfgang Appell)

 
 


 
  Hier beabsichtige einige meiner Gedichte zu veröffentlichen. Die Leidenschaft Verse zu schmieden habe ich seit mehr als 30 Jahren. Die neuesten füge ich immer oben ein.  
     
 

Amrum

Wer hier das Weite sucht, wird es auch finden,
an diesem Strand, gefegt von starken Winden.
Ein Sommerschloss wollt’ er sich bauen,
um Himmel, Sand und Meer zu schauen.

Genetisch war er Beduine,
damit der Strand als Wüste schiene,
baute er die stolze Hütte
in des Kniepsands weite Mitte.

Ich fragte ihn woran es läge,
dass die Flaggenmasten schräge.
Exakt gemessen, doch zu dumm,
nur achtzig Grad, es lag am Rum.

Das Amrumblau war seine Lieblingsfarbe,
drum baute er in Blau sein Badehaus.
Damit an diesem Blau er niemals darbe,
besucht er nachts die Blaue Maus.

 
     
 

Kniepsand-Liebe

Dort wo der Hafer zart das Blau berührt,
stach mich derselbe, tief ins Hirn.
Im Dunkelblau mit Glutgestirn
hab’ ich dich liebevoll verführt.
Wer unsere Spuren sah im Sand
Las Liebesschmerz aus Sonnenbrand.

Danach die Düne im fraktalen Kleide,
wir traten sie mit nackten Füßen.
Als Wüste schien uns all die Weite,
mit unserem Schweiß mussten wir büßen.
Uns war so heiß, wir hatten Durst.
Der Strand so weiß, war uns jetzt Wurst.

 
     
  Dem Freund

Du trinkst, wenn du den trinkst, am liebsten edle Tropfen,
und suchst, wenn du denn suchst, im Sammeln stets das Glück.
Du schätzt beim Kartenspiel den Trank aus Malz und Hopfen.
Dies war schon immer so, denk’ ich auch weit zurück.


Damals war lang das Haar, zur Zier dem freien Franken,
wie auch dein stolzer Bart. Vorbei ist diese Pracht.
Wir feiern immer noch, wir sollten dafür danken.
Ich danke dir die Zeit, die du mit mir verbracht.


Ein Mann, der alles hat, der hat auch öfters Schmerzen,
im Bauch und im Gebein. Es koche solcherweis
die Liebste gesunden Tee von meinem Edelweiß.
Als ich es barg im Kar, da floss mein Schweiß von Herzen.
Am Berg die Waueralm, gemeinsam zu erklimmen,
ist jede Mühe wert. Dafür will ich mich trimmen.
 
     
  Der Legende nach kam der Gott Oro, der Gott der Fruchtbarkeit und des Friedens, auf einem Regenbogen herunter auf die Insel Bora Bora und würdigte die Wunderschönheit einer Prinzessin durch das Geschenk der schwarzen Perlen. Dies ist der Kern meines nachfolgenden romantischen Gedichts. Ich schrieb es zunächst in Deutsch und dann in Englisch.  
     
 

Die schwarzen Perlen von Bora Bora

Oro: Gott der Fruchtbarkeit und des Friedens
Tahiata: tahitianischer Frauenname-> Wolke
Oriata: tahitianischer Männername-> Tanz der Wolken

Aus tausend Grün trat Tahiata.
Des Königs Tochter sprach, allein
am Strand - im Regenbogenschein:
„Wo ist mein Liebster, Prinz Oriata?“

Aus ihrem Haar gab sie den Wogen
als Liebespfand den Blütenkranz.
Da stieg herab auf buntem Bogen
Gott Oro, gefolgt vom Sternenglanz.

„O Tahiata, Tochter, wunderschön!
Leidenschaft zeigt dein Verlangen.
Du wirst Oriata wiedersehn!
Vollkommenheit wird euch umfangen.

Nimm hier die Perlen, obsidian,
wie deine Augen - dunkeltief.
Sie sind rubin, manchmal oliv,
Oriatas Tränen, gleich getan."

 
     
 

The Black Pearls Of Bora Bora
Oro: The god of fertility and peace
Tahiata: name of a woman from Tahiti -> cloud(s)
Oriata: name of a man from Tahiti -> dance of clouds

From thousand green stepped Tahiata.
The royal daughter spoke, alone
on beach - a rainbow glowed and shone:
“Where is my sweatheart, Prince Oriata?”

She gave the waves from her black hair
her crown of blossoms as love token.
There, came down, the bow unbroken,
God Oro, bordered by stars - the luster stair.

“O Tahiata, daughter, such beauty and such love,
such truth and high desire never are in vain.
You shall, I promise you, Oriata, see again.
You both will be surrounded by passion from above.

Take here the pearls, obsidian black,
the color of your eyes, so deep and dark,
gleaming of love, ruby-olive in ebony spark,
Oriata’s tears alike. Soon he is back.”

 
     
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  Hier versuche ich mich an einer Übersetzung bzw. Adaption eines englischen Gedichts, welches mir sehr gut gefallen hat. Es ist das Gedicht "Two Lovers" von George Eliot alias Mary Ann Evans (1819-1880). Es handelt sich um ein Gedicht aus dem 19. Jahrhundert.  
     
 

Zwei Liebende

Zwei Liebende am moosbewachsnen Quell:
Sie neigten sanft einander ihre Wangen,
das dunkle Haar im sonnigen verfangen.
Der Drossel Werben war so hell.
O frühes Blühen!
O junger Liebe Glühen!

Zwei vermählt aus dem Portale traten:
Die Glocken sangen Jubellieder.
Ein Hauch von Engelsschwingen trug sie hernieder,
und weiße Blüten auf dem Weg um Segen baten.
O treuer Blick!
O zartes Glück!

Zwei Gesichter, über ein Bettchen gebeugt:
Zwei Hände, über dem Köpfchen gereicht,
hielten sich fest und wiegten es leicht.
Sie schauten ein Leben aus Liebe gezeugt.
O festliche Stunde!
O machtvolle Kunde!

Zwei Eltern am abendlichen Herd:
Auf ihre Knie’ fiel roter Feuerschein,
und auf Gesichter, gezeichnet von der Kälte Pein,
zahlreich wie Knospen in einem Lilienschwert.
O stetes Leben!
O mühsam Streben!

Die Zwei dort immer noch am Herd,
auf ihren Knien flackernd der Feuerschein,
doch all die Häupter, gerötet von des Winters Pein,
sind längst gegangen. Einsam das Paar und ausgezehrt.
O rasend die Zeit!
O versunkene Vergangenheit!

Der Feuerschein am Boden war jetzt fahl,
der Raum geweitet durch die Schatten matter Flammen.
So rückten sie die Stühle eng zusammen,
und sagten Wange an Wange: “Noch einmal!“
O Erinnerung bebt!
O Vergangenes lebt!

 
 

Hier das englische Original von George Eliot:

TWO LOVERS

Two lovers by a moss-grown spring:
They leaned soft cheeks together there,
Mingled the dark and sunny hair,
And heard the wooing thrushes sing.
O budding time!
O love's blest prime!

Two wedded from the portal stept:
The bells made happy carolings,
The air was soft as fanning wings,
White petals on the pathway slept.
O pure-eyed bride!
O tender pride!

Two faces o'er a cradle bent:
Two hands above the head were locked:
These pressed each other while they rocked,
Those watched a life that love had sent.
O solemn hour!
O hidden power!

Two parents by the evening fire:
The red light fell about their knees
On heads that rose by slow degrees
Like buds upon the lily spire.
O patient life!
O tender strife!

The two still sat together there,
The red light shone about their knees;
But all the heads by slow degrees
Had gone and left that lonely pair.
O voyage fast!
O vanished past!

The red light shone upon the floor
And made the space between them wide;
They drew their chairs up side by side,
Their pale cheeks joined, and said, "Once more!"
O memories!
O past that is!

 
     
 

Für meine Herzine
(05.08.2009)

Auf deiner Sonnenliege liest du ein Buch.
Ich schau’ dich an und danke dir.
Mein Neid gilt nur dem Badetuch.

So viele Jahre schon bist du bei mir.
Ich habe dafür großes Staunen.
Du kennst mich doch, doch du bist hier.

Warum, warum? Die Mauern raunen:
“Leben sie nicht längst getrennt?“
Selten bettet Liebe sich auf Daunen.

Wer im Herzen dich erkennt,
dem bleibt ewig dich zu lieben,
so ewig, wie ein Stern am Firmament.

Du gingst fort und bist geblieben.

 

Die Libelle
(05.08.2009)

Türkis geschmückt der schlanke Leib,
sucht den Galan zum Zeitvertreib
am Wegesrand auf der Brunelle,
zart und zierlich, die Libelle.

Sie bebend strebt mit heißem Bangen:
Ein junger Prinz soll sie umfangen.
Gern würde ich mich zu ihr setzen
und als Libello sie benetzen.

Doch fehlt mir seit geraumer Zeit
mein azurblaues Flügelkleid.
Seh’ heute ich Libellen gaukeln,

alleine meine Augen schimmern
und strahlen hell im Sommerflimmern.
Noch könnt’ ich auf Brunellen schaukeln.

 

Heute zweifelten meine Mathekollegen an, dass ich zu jedem mathematischen Thema ein erotisches Gedicht schreiben könnte. Ich bat um ein solches. Sie schenkten mir 'Nullstelle'. Ich sagte, dazu brauche ich mehr als einen Tag, da das Wort ziemlich unrhythmisch ist. Da gaben sie mir Tangente. Ich bitte zu bedenken, dies ist ein Spaß.

Tangente

Als ich dich sah vorüber gehn
auf deinen schlanken Beinen,
war’s en passant um mich geschehn,
ich wünscht’, sie wär’n bei meinen.

Ich hatt’ dich aus der Ferne gern,
doch du warst nur Passante.
Ich will’s dir gerne heut beschwör’n,
dass meine Brunst entbrannte.

Ich war verliebt in deinen Schritt,
bat dich sei mir Tangente.
Du brachtest Cuffs und Peitsche mit,

gefesselt meine Hände.
An diesem Abend ich erkannte,
nicht Tangente warst du, sondern Sekante.

 

Der Minuend

Der Minuend, blassbläulichgrün,
verfolgt von Subtrahenden,
versteckte sich im Anilin,
damit sie ihn nicht fänden.

Karmin getarnt, so hoffte er,
klammheimlich zu verschwinden,
den roten Zahlen fiel’ es schwer
ihn unter sich zu finden.

Doch eines war ihm nicht bekannt,
ein Subtrahend kann kein Rot sehen.
Vergeblich ist er weggerannt.

Schließlich ist es geschehen,
im Anilin fand er sein End’,
blassbläulichgrün, wie man ihn kennt.

 

Sappho-Mathe

Ich liebte einst eine Abszisse.
Wir bildeten ein schönes Paar.
Stets achtete ich die Prämisse,
dass ich die Ordinate war.

Da kam ein Graf, bot sehr viel Geld,
der wollt' gern bei uns bleiben.
"Ich führ' euch in die Spiegelwelt,
dort sollt ihr's miteinander treiben."

Wir sollten nur die Rollen tauschen.
Bei unserem Straponverkehr
wollt' er uns dann belauschen.

Doch leider viel's dem Schüler schwer,
als Ordinate hatt' ich Stress,
war nie Abszisse, nur Abszess.

 

Diese Ballade widme ich Werner von Lorleberg, dem Stadtkommandanten
von Erlangen, der am 16. April 1945 die Stadt kampflos an
die Amerikaner übergeben hat. Die Strophenform ist die italienische Stanza.

Der Kommandant

Über’m Bahnhof Ami-Flieger kreisen
und drohen der Stadt mit Untergang und Tod.
Menschen hasten zwischen Waggons und Gleisen,
und plündern letzte Büchsen mit Fleisch und Brot.
Keiner von ihnen wird heute mehr verreisen.
Der Krieg erlebt sein letztes Abendrot.
Fünfzigtausend füllen die kleine Stadt,
die der Kommandant zu halten hat.

Panzergranaten lärmen immer greller,
und schlagen mit schrillem Pfeifen schrecklich ein.
Nachbarn sitzen dichtgedrängt im Keller,
und wachen die ganze Nacht bei Kerzenschein.
Langsam dämmert Ruhe und es wird heller,
am Burgberg sollen schon die Schwarzen sein.
Feuerpause! Die kleine Stadt liegt still,
die der Kommandant verteidigen will.

Hundertzwanzig Mann in ihrem Wahne,
verteidigen wollen sie die volle Stadt.
Eidesbruch, sei eine weiße Fahne!
Der Bürgermeister größte Ängste hat:
“Bitte, lassen sie ab von diesem Plane,
sonst findet eine Katastrophe statt.
Alle Kliniken sind überfüllt.“
Den Kommandant ein tiefes Schweigen hüllt.

"Soll ich Eid und Vaterland verneinen,
im zweiten Kriege schon bin ich Soldat?
Doch eine tote Stadt wär’ zu beweinen,
beginge ich nicht ehrenvoll Verrat.
Bomber würden über der Stadt erscheinen,
drum muss ich tun, was nie zuvor ich tat.
Kampflos will ich Erlangen übergeben.
Als Kommandant befehle ich das Leben."

Hundert flohen, zwanzig sind geblieben,
fanatisch in ihrem wildem Widerstand.
Sie verlangen den Befehl geschrieben,
verzweifelt unterschreibt der Kommandant.
Derweilen fällt ein Schuss von Hass getrieben,
und Lorleberg stürzt blutend in den Sand.
Langsam färbt sein Ehrenkleid sich rot.
Der junge Leutnant schließlich schießt ihn tot.

 

Herbstliche Genüsse 13.10.2008
- ein Degustationsmenü

Die Tische prahlen eingedeckt und Kerzen strahlen.
Serviert wird Apero und Amuse-queule.
Ich lieh mir hundert Euro um es zu bezahlen,
und hoff’ es lohnt, ein Jahr schon bin ich seul.

Das Dekolleté mir gegenüber lässt mich sehnen.
An Ziegenkäsemousse, den Kaiserbarsch
mit eingelegtem Kürbis zu erwähnen
ist Pflicht. Doch wichtiger ist mir ihr Arsch.

Wir trinken Hochheimer Hölle mit tiefer Riesling-Nase,
„Der Körper ist brilliant und im Finale frisch“.
Ich nicke ihrem Freund und proste mit dem Glase,
und wünscht, ich wär’ mit ihr allein am Tisch.

Im zweitem Gang jetzt Lachs und Kaviar am Lauche schäumen,
nach reifer Birne schmeckt der Chardonnay.
So lässt er mich von ihren festen Brüsten träumen,
die ich in ihrer Fülle vor mir seh’.

Im Strudelsäckchen die Stein- und die Trompetenpilse
mit Blumenkohl und funkelndem Pinot Noir,
“Ich bin Wolfgang“, und sie, die Süße, sie heißt Ilse.
Im Top die beiden erblick’ ich fast schon bar.

Das Entrecote mit Ochsenschwanz und herbstlichem Gemüse,
mit Trüffeln im Püree und Wein von Villemanjou,
sei pure Lust am Fleisch, so ihre Analyse,
ich schaue in die Tiefe und stimme lächelnd zu.

Ach könnt’ ich doch als Schut in ihren Schluchten raften!
Die Stachelbeeren als Süppchen gibt’s zum Schluss,
dazu Sorbet von Mango und der Frucht aus Leidenschaften,
ein Traum gleich meinem von einem einz’gen Kuss.

Noch einmal erbittet sie ein Glas Crémant zum Plaudern.
Nach einem Wangenkuss bin schließlich ich allein.
Die Phantasie lässt meine Sinne wohlig schaudern.
Im Februar wird Wiedersehen sein.

 

Die Klapphorn-Krise

Zwei Banker von der LB-Bayern
fuhren ins Wochend zum Feiern.
Dem einen fehlt die Sicht ins Weite,
der andere sah nicht die nahe Pleite.

Zwei Banker, die in München wohnen,
verbrannten flugs 300 Millionen.
In Addition mit 5 Milliarden
sie auf den Steuerzahler warten.

Zwei Banker ham' noch 20 Stück,
die müssen sie abschreiben.
Die Bayern haben großes Glück,
die CSU wird bleiben.

Die HRE aus Deutschlands Süden
ist nun in kurzer Frist verschieden.
Sie lebte einst von Hand zu Mund,
langfristig geseh'n war's ungesund.

Der Steinbrück sprach, dem Jesus gleich:
"Steh' auf und geh', ich mach dich reich".
Doch keine Bank ist je genesen,
war sie schon mitten beim Verwesen.

Zwei Banker, die sind Württemberger;
trifft es im nächsten Jahr noch ärger.
Ein Loch von 110 Milliarden
wird kurzfristig auf Füllung warten.

Noch manche Bank braucht solche Plombe,
sonst platzt im nächsten Jahr die Bombe,
und mancher Ackermann wird geh'n,
und kommen wird der Lafontaine.

 

Dieses Sonett beschreibt den Untergang Alterlangens beim Stadtbrand am 14. August 1706.

Untergang

Die alte Stadt durchwabert Sommerhitze,
und Grummetduft steigt aus den Rednitzauen.
Der Türmer döst auf seinem hohen Sitze.
So wird er weder Feind noch Feuer schauen.

Der Kronenwirt brennt süßen Muskateller.
Da hört man auf der Gasse: Feuer! Feuer!
Schon brennt der Schuppen, Stall und auch die Scheuer.
Die Lohe rast und wütet immer schneller.

Vermählt sind Brandgewölk und Sonnengluten,
und Haus um Haus erliegt den Funkenfluten.
Verzweifelt müht man sich um Vieh und Habe.

Das Feuerhorn verstummt, das Rathaus lodert.
Noch nachts die matte Flamme glost und modert.
In mildem Glühen geht die Stadt zu Grabe.

 

Drei Sonette aus dem Urlaub 2008

Wandern

Wandervögel paaren, reich an Jahren,
heute sich im feuchten Wiesengrund.
Stolz mit Stöcken staken sie in Scharen
morsches Gebein, und haltens's für gesund.

Fünf Schritte hinter meinem Weibe
hauch ich mit letzter Kraft: " Grüß Gott!"
Wenn ich im Tale auf der Strecke bleibe,
schreibt auf den Stein: Sie war für mich zu flott.

Sie motiviert und seufzt: "Nur noch ein Stückchen!"
Doch ich, ich gehe lange schon am Krückchen.
Nie soll weiter sich mit Nordic-Stöcken plagen,

schweißgebadet und hochrot der Gatte,
als ihn ohnehin die Füße tragen
zu einem Pils, weil er noch keines hatte.

 

Als Letzte im Paradies
(für Manfred, Henry und Toni)

Still der Säntis wehrt die Sommergluten,
und lockt vom Horizont sich stete Wolkengischt.
Liebevoll die Nebel ihn umfluten,
und Ruhe sich in meine Seele mischt.

Tief die Sonne hellt den See zum Tiegel,
und langer Schatten wellt die Wiesen ostwärts.
Abendglanz ist meinem Sinnen Spiegel,
und füllt Vergangenheiten in mein Herz.

Gern gedenk' mit Euch ich ferner Zeiten,
auch wenn der Jahre Kluft sie arg zerstückt.
Damals wollten wir das Leben reiten,

und hin und wieder ist uns dies geglückt.
Lasst uns die Zeche nun begleichen,
als Letzte im Paradies die Segel streichen.

 

Morgenstund hat ...

Noch netzt der Tau den sonnenlichten Morgen,
und ferne Berge befrieden meinen Blick.
Der Schneck will's seinem Schneckla jetzt besorgen.
Er sehnt sich nach Familienglück.

Drüben im Dorf schenkt stetes Turmuhrschlagen
dem Tag die Reife und fordert auf zur Tat.
Da höre ich das schwang're Schneckla fragen:
"Schatz, hast du noch Lust auf Kopfsalat?"

"Lass' uns noch eine Spur ins Gärtla schleimen,
und naschen beide nur ein frisches Blatt."
Jedermann kann hier das krude Ende reimen:

Ein Schneckla wird von einem Blatt nicht satt.
Als treue Kunden, wie immer, heiß umworben,
sind beide jüngst an Schneckenkorn verstorben.

 

für's Poesiealbum
geschrieben für Aylin
8. Mai 2008

Maikäfer-Sonett

Ein Maienabend, lau und schlicht,
verspricht sich dem Laternenlicht.
"Ein schönes Paar!", "Wie wahr, wie wahr!",
brummt laut im Gras die Käferschar.

Dann krabbeln sie den Halm hinauf
zum Start in ihren Lebenslauf.
Doch naht sich schon dem Lebensglück
ein junger, frecher Galgenstrick.

Ein Knabe ist's, mit 'nem Karton.
Als Häscher kennt er kein Pardon.
Er sorgt für frisches Laub und Luft.

Doch Mutter'n stinkt der Käferduft.
Drum hat sie dann erbittert
die Schar im Hühnerhof verfüttert.

 

für's Poesiealbum
Ninas Sonett

Nina fragte: "Wie geht denn das?"
Nina fragte: "Geht das so?"
Nina sagte: "Ich hab' Spaß."
Ach, mein Gott, was bin ich froh!

Nina mundwerkt unaufhörlich
Aufgabe für Aufgabe.
Mathe ist ihr nie beschwerlich!
Ach, welch großes Glück ich habe!

Nina hilft der Nachbarin,
und die Nachbarin hilft ihr.
Ach, mein Gott, ich danke dir!

Bleibe Nina, bleibe so!
Mundwerke Mathe! Habe Spaß!
Dein Mathelehrer gönnt dir das.

 

für's Poesiealbum
Biancas Sonett

Sie findet's doof und öde,
das Geo mit Metrie,
das sei mit x und blöde
und ohne Sympathie.

Zeichnen, malen, messen
und die Farbe nicht vergessen,
Geo mit Metrie ist bunt,
manchmal eckig und manchmal rund.

Treibst Geo du im Gitternetz,
fühlst du dich als Verwandte
von Papas Navi-Tante.

Ein kleiner Rat zuallerletzt.
Wer vorschnell urteilt und in Eile,
erzählt nur seine Vorurteile.

 

Drei Sonette aus dem Urlaub 2007

Frühstück mit dir

Ach, ich wünscht', ich wär' das Räse*
in deinem Lutzenreuther Käse.
Auf deiner Semmel in der Frühe
wär' ich das Stückchen ohne Mühe.

Ach, ich wünscht', ich wär' mal g'rade
deine Erdbeermarmelade.
Auf einem Brote dann am Morgen
könnt' ich mir deine Lippen borgen.

Ach, wär' ich doch dein Frühstücksei!
Wär' ich zu weich, es gäb' kein Meckern.
Tag für Tag wär ich dabei

und könnte dich bekleckern.
Doch wenn ich's realistisch seh',
bin ich nur manchmal dein Kaffee.

* das Scharfe

 

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Hochzeit

Überraschen Sie auf der Hochzeit mit einem romantischen Gedicht für das Brautpaar.


Pfänder

Taubenblau der See sich weitet
mit einer Schärpe aus Brokat.
Auf Abendgold das Auge gleitet
bis zu fernem Dunstgestad'.

Zinnoberrot am Himmelsrand
erglüht die Sonnenscheibe.
Karmin geschminkt, mit gelben Band,
rückt sie dem Land zu Leibe.

Tief unten hüllt das Perlenlicht
die Straßen und das Streben,
und überm Berg die Nacht verspricht

mal eben Liebe, Lust und Leben.
Wer hier nicht sinnt bei rotem Wein,
hat Herz und Leber wohl aus Stein.

 

Stehseicher

Im Bergwald vollgedröhnt mit Wasser
streicht eine Wolke und wird nasser.
Hat schließlich sie erreicht den Gipfel,
hebt sie vom Stehseicher die Zipfel.

Jetzt darf sie pinkeln, brunzen, pieseln;
so lässt sie's fließen, rinnen, rieseln.
Vom Drang erlöst am Hang sie lauscht,
wie ihre Flut durch's Tobel rauscht.

Schon nähert sich die große Schwester
dem Pfänderspitzenpissoir,
und diese ist noch viel durchnässter,

als es die kleine Schwester war.
Doch roter Wein dir Tröster ist
bis die Geschwister sich verpisst.

 

Sneakers

Seit' an Seit', so tanzten sie in jungen Jahren
die Nächte durch. Ach', wie sie glücklich waren!
Und heut'? Heut' steh'n sie ausgelaugt, völlig am Ende
auf Abdeckplanen und betrachten frisch gestrichene Wände.

 

Die Eiche

Wie war die Eiche voller Neid
auf's geile, weiße Birkenkleid.
Jetzt trägt sie endlich selber eines
in Gelborange, 'was Kurz und Kleines.

 

Gartenzwerge

All die Zwerge haben Lust,
drum öffnen sie ihr Mieder.
Ein jeder streichelt ihre Brust,
dann schließen sie es wieder.
Entflammt in siedendheißer Brunst,
beschwört sie ihr Scheewittchen:
“Was nützt mir eure Gartenkunst!
Macht endlich mich zum Flittchen!“

 

Verflucht!

Von den Menschen begafft, der Elben Nebel-Gestalten,
Traum und Drohung zugleich, halten heimlich Gericht.
Leise fluchen die Acht: “Die Füße mögen erkalten,
Ohr und Hände dazu. Spaß verstehen wir nicht!“

 

Wen wundert´s?

Umsonst die Müh´ vom Regenbogen
uns Menschen zu erstaunen.
Wir bleiben meistens ungezogen
bei unser´n schlechten Launen.

 

Aphrodite im Brunnen

Die linke leer, die rechte nicht viel voller;
"Mehr Meer", schreit Aphrodite,
und in des Brunnens dunkler Mitte
treibt´s Neptun immer toller.

 

Dilemma

Behämmert schaut der Nagelkopf,
er bot die Stirn, hielt hin die Wange.
Belämmert denkt der arme Tropf:
Das nächste Mal wähl ich die Zange.

 

Hier einige Sonette:

Novembersonett

Der Käse reift und auch der Wein,
den Grünkohl kraust der erste Frost.
Im funkelneuen Fass allein
rülpst trüb der weiße Most.

November treibt den Nebelmond
und Regen rillt die Nüsse.
Wer jetzt nicht warm im Hause wohnt,
dem bleiben kalte Füße.

Ach Freunde, all´ die Trauersprüche,
es ist kein großes Wunder,
vergesst ihr hier in Roßner´s Küche

bei einem Glas Burgunder.
Ihr und all´ die Norderdüfte
bereifen mir heut´ Hirn und Hüfte.



Gailtaler Abendsonett

Wenn's Licht in kalk'nen Gipfeln siecht,
und Dämmerung heimlich durch Gräser kriecht,
denk' ich umwölkt beim welschen Weine:
"Schau her! Der Urlaubstag lässt mich alleine."

Jetzt aus dem Dache fledern, flattern
samten die Harpien der Nacht.
Der Wiesenschreck beginnt zu tattern
und Falter werden umgebracht.

Der Schrecken streicht und geiget
im Kerzenschein, so wunderbar,
und aus den Wiesen steiget

folgsam die Falterschar.
Trunkengeil, voll Pheromon,
verbrennt sie dann auf dem Balkon.


Jungbrunnen

Ruppertsberger Reiterpfad
Riesling Kabinett
Im Brunnen treibt ein Pumpenrad
das Wasser aus dem Bett.

Im Kelch vom Quell manch Klang sich fängt,
das Hirn er aber meidet.
"Was soll ich dort", er sich wohl denkt,
"man am Verstand nur leidet".

Dort wo das Lied am Born sich labt,
so schlürfend über Kiesel schabt,
ich dann im Glas die Zeit besinn,

fort mich voll Lust durch Sprache spinn.
Mit jedem Schluck, vom Pfad der Tugend
weich ich vom Alter hin zur Jugend.



Zum Zigsten

Alter tilgt nun meine Jahre,
doch im Aug´ noch Jugendglanz,
um die Stirn gefärbte Haare
krausen sich zum Ehrenkranz.

Vom Bordeaux die Brombeerdüfte,
nicht die Sinnlichkeit der Jugend,
treiben Reife in die Hüfte
und hinfort erlernte Tugend.

Lust auf Hip-Hop, Lust zum Weibe,
ach, Ekstase bleibe, bleibe!
Doch in diese Lust des Sehnens

lacht Poe´s Maiden Leonore:
“Trotz des Straffens und des Dehnens
wirst du raven nevermore.“



Sonett an den Grünkohl

Ein Molekül furcht mir das Hirn,
weckt leise die Membranen.
Dreifaltig heiligt sich die Stirn,
lässt krauses Sehnen ahnen.

Durch’s Fenster bricht Novemberlicht
türkis in dunkle Winkel,
verliert sich pfirsichfarbenschlicht
im fetten Glanz der Pinkel.

Die Küche prunkt im Grünkohlduft,
empfängt, umarmt die Gäste,
und Essenslust schliert durch die Luft,

ziert dieses Mahl zum Feste.
Wer hier nur mäßig leert den Topf,
ist wahrlich ein Asketentropf.


Sommer ist´s

Im Kirschbaum spät die Sonne hängt
vom Badetag ermattet.
Der Vater sich das Bier einschenkt,
endlich ist er beschattet.

Sommer ist´s und Zeit zur Jausen,
vom Tal die Schumpenglocke schellt.
“Sieh doch wie die Hunde sausen,
und über´n Hang die Ruhe quellt.“

Wohlgeschmeckt der Leib sich weitet,
die Seele schweift, das Auge gleitet.
Die Küh´ im Stall, sie wiederkäuen,

um sich am Halm erneut zu freuen.
Ihr Friede soll auch meiner sein!
“Ach´ Weib, geh her, schenk nochmal ein!“



Sonett an den Entlas-Keller

Septembersonnenstrahlen streichen
durch die Kastanien, Linden, Eichen
und preisen Bier und Bratwurstdunst
als fast die schönste Lebenskunst.

Drum Mittel-Zwischen-Oberfranken
bis zum September, laut oder still,
dem Herrgott für die Keller danken
bei jedem Schluck sie seit April.

Sitz sinnend ich im Entlas-Keller,
hatt´ Klöß und Knöchla auf dem Teller,
schau Schneckla an, trink Zwickelbier,

dann will ich nie mehr weg von hier.
Selig zieh ich an der Zigar,
träum vom April im nächsten Jahr.



Sonett an das Skalarprodukt

Zwei Vektoren sind ein Paar,
und ihr Produkt nennt man "Skalar".
Als reine Zahl im Zahlenmeer
schwimmt ziellos er dort hin und her.

Nur wenn die Skalarenschar
sich reiht zu einer Skala,
ach, ist es nicht ganz wunderbar,
gibt es 'ne Vektorgala.

Nur wo Skalare sich zum Vektor binden,
und Zweie dann als neues Paar
multiplizieren sich voll Lust skalar,

kannst darin du die Lösung finden.
Das ist der Vektor Lebenslauf,
doch mancher Schüler scheißt darauf.



Hier mal Klapphornverse:

Grünkohlessen

Zwei Freunde einst bei Tische saßen
und beide garen Grünkohl aßen.
Der eine liebt’ den Grünenbiß,
der andre grünen Hünenschiß.

Zwei Freunde tranken Pils vom Faß
war es denn aufgetaut im Glas.
Nur einer war dabei sehr tapfer,
es war der Wintergartenzapfer.

Zwei Freunde labten sich an Käse,
Mal gerupft, mal roh, mal räse.
Dem einen wurd’ das Ei zur Qual,
dem anderen war dies egal.

Zwei Freunde rote Grütze sahnten,
die Därme schon das Ende ahnten.
Dem einen Darm war es zuviel,
der andre lobt’ das Farbenspiel.

Zwei Freunde brauchten einen Klaren,
weil beide vollgefressen waren.
Sie wollten jetzt den Magen kosen,
denn selbiger blähte die Hosen.

Zwei Freunde tranken roten Wein.
Einer schluckte auf, der andere schlief ein.
Drum konnte einer Rot nicht leiden,
wer war der andere von beiden?

Zwei Freunde kauten Knüppeltorte
mit Schmalzschnaps von der Himmelspforte.
Darauf war der eine satt,
der andere hingegen, war völlig platt.



Glockenrätsel

Der Witz im Wort,
flieht hier hinfort
in einen Blumenladen.
Mit seiner süßen Daffodil
übt dort er dann das Glockenspiel
und niemand kann´s erraten.

Hier mal was in Englisch. geschrieben für einen geschätzten Kollegen mit der Fächerverbindung Englisch/Werken.


The Coffee Party Ballad

Orphaned his chair,
and hushed his wit.
Rather thin his hair,
he’s getting on a bit.

Damned lucky spill,
us, you left in the lurch.
Now the coffee party will
be like the yard of the church.

Unique chain saw teacher,
gifted if-clauses preacher,
you decided to retire.
What a waste of educational fire.

Hear! Hear! In the cable
there’s a whisper of babel
about Talisker and Cardhu.
I have rhymed it for you.

Where’s the youth, where the maiden,
where are the things, both we adore?
Shall we get these gifts of Aidenn?
Quoth the pencil: ”Nevermore”

Never mind! Nevertheless,
it remains the Whiskey in the glass.
Both we, long in the tooth,
let us drink and get the blues.

 

Esther

Ach, ich kann’s genau bestimmen: die Nacht
zum November war’s, dem trüben, schlimmen,
und der Kippen matt Verglimmen
schuf krausen Duft so schwarz und leer.
Trübe sinnten wir den Morgen,
hatten umsonst versucht zu borgen
von einander Trost dem Sorgen
ob Esther wirklich glücklich wär –
ob Esther, die wir verloren, glücklich wär.

Ach, Esther, erzähl’ uns wieder
von deiner Liebe, die darnieder,
wieder aufersteht.
Doch das Handy gab kein Zeichen, nur ein
Gruß ließ hin es streichen, das
uns erbleichen ließ.
Der Gruß: Lebt wohl! So schwer –
einer sprach’s und ein Echo
murmelte zurück so schwer:
Nimmermehr.


Ach, verliebte Esther, heut ist Halloween
wann werden wir dich wieder seh'n?
Wann wieder, wirst du mit uns Krauser dreh'n?
„Nie wieder“, grummelt dumpf der Geister Chor.
Nie wieder wirst du als Gespenst dich zwei Minuten
vor Mitternacht zum Spuken sputen.

 

Für meinen von mir sehr geschätzten Freund Aal zum Fünzigsten.

Mein Freund Aal

In jungen Jahren hieß er nach Glas,
weil er als Glas-Aal nie vergaß
den Freunden und den Leuten,
mit Wein im Glas, glasklar die Welt zu deuten.

Als Silber-Aal mit 50 Jahren
kann man von ihm weit mehr erfahren
als Faust vom Teufel sich erbat.
So sei sein Titel auch Aal-Rat.

Doch suche seinen Rat man frühe,
denn spät am Abend hat er Mühe.
Einst nachtaktiv und räuberisch,
sucht dieser alte Knochenfisch
den Schlaf vor Mitternacht bei Tisch.

 

Dieses Gedicht ist nach der Melodie des Frankenliedes zu singen. Ich habe es für meine Schwägerin ebenfalls zum Fünfzigsten geschrieben. Martina wird auf "i" betont.

Die frankophone Friesenmaid

Oh Martina, du Friesenmaid,
gehst radeln, willst nicht rosten.
Zur wunderschönen Sommerszeit
willst du die Nacktheit kosten.
Jetzt reicht ihr Bürst’ und Zahnseid’ hin
für ihres Zahnespflege,
damit sie sich im Sonnland drin
zahngepflegt hinlege.
Falleria, fallera,
Falleria, fallera,
zahngepflegt hinlege.

Oh Martina, schnall an die Schi,
lass deine Hose flattern,
und knackig bleiben deine Knie,
wenn unsere längst tattern.
Wie gerne wär’n wir mitgeschiet,
damit die Jugend bleibe,
wenn jeder auch den Bauch einzieht,
knackt doch im Knie die Scheibe.
Falleria, fallera,
Falleria, fallera,
knackt doch im Knie die Scheibe.

Oh Martina, du bist ein VIP
und fährst mit Viöl-Bussen.
Als Jüngste gehst du auf den Trip,
warst auch schon bei den Russen.
Du gehst zu Bett zur rechten Zeit,
damit die Schönheit bleibe,
und niemals wird die Friesenmaid
zu einem Frankenweibe.
Falleria, fallera,
Falleria, fallera,
zu einem Frankenweibe.

Oh Martina, heut’ ist’s passiert,
die Fünfzig überschritten,
die Jugend wird dir heut’ kassiert,
im Glase bald die Dritten.
Und dennoch gratulieren wir
zu deinem Jubeltage,
und wünschen viele Jahre dir,
ganz ohne Altersplage.
Falleria, fallera,
Falleria, fallera,
ganz ohne Altersplage.

 

Anglerglück 

Walle Waller wild und heftig,
beiß ins Hühnerbein nur kräftig.
Sollst dich haken, will dich haben,
mich an deinem Drille laben.
Schwimmst du dann im Wurzelsud,
wird ausgeruht.

Schlau der Waller steht im Kolke,
spottet Hohn dem Anglervolke.
Höret was der Waller spricht:
„Eure Beine freß ich nicht,“
und die Naab sie lächelt leise,
So ‘ne Scheiße.


 

Bitter

Es lüftelt lau im Hirn die Leere,
stürmt grüner Kohl mir durch´s Gedärm.
Wenn ich den Reim leis´ wiederkehre,
macht er dazu festlich den Lärm.
Willst mit Genuss den Schiss bedenken,
ohn´ dir den Magen zu verrenken,
trinke vom Klostertropfen - bitter -
am besten gleich ein Viertelliter.




Öchslein

Ein Öchslein über’n Acker zieht,
es stampft gequält zum Furchenende,
dasselbe fürchtet es vom Lied,
drum sucht es schnell die Wende.
Wie schön wär’ hier ein Zeilensprung!
Ach wär’ ich Stier, ach wär’ ich jung!
Nichts würde klappern, scheppern, rauschen,
man könnte meinen Versen lustvoll lauschen.
Doch so? So entsteht, oh wunderbar
aus Furcht sogar,
Furchenpaar für Furchenpaar.
Wie furchterbar!

 


Mal was ganz anderes.

Geliebte

Geliebte, die Nacht
erinnert Schattenduft,
Nebellicht und matte Flammen.
Dein seidener Schal
liegt ohne dein Lachen
im feuchten Gras.
Unter den wirren Bäumen
suche ich dich vergebens.
Auch der Nachtvogel
weiß die Antwort nicht.
Geliebte, ich träume zwischen
den roten Lupinen von dir.


Dies ist ein politisches Ermutigungs- und Kampf-Sonett, längst schon Geschichte meiner Heimatstadt Lindenberg im Allgäu.

Susanne bleibe stark

Im Rathaus laut die Hirsche platzen
und rote Räte tragen Frust.
Am Stadtplatz pfeifen es die Spatzen,
dem alten Stadtrat grollt die Brust.

Im Wirtshaus Weiber Wähler werben,
begehren frech die Unterschrift.
"Demokratie du musst jetzt sterben,"
und Weizen wandelt sich zu Bürgergift.

Gefahr für’s Mandat,
Gefahr für die Pfründe,
Begehren ist Sünde.

"Hört auf den Rat !"
Höret vor allem auf: Na, wie heißt er ?
Erraten: Oberboellermeister.

 



Noch`n politisches Gedicht, die Form des Blankverses sollte den Inhalt unterstützen. Auch dieses Drama ist schon Geschichte.

Der blanke Hans – ein deutsches Drama

Ach, ich Minister der Finanzen, gelobt,
geliebt, geachtet, war Bester nach
dem Meister. Leiden muss ich, nennt mich doch
der schwarze Koch Betrüger, Lügner gar.

Ach, wär’ ich Koch und nicht der blanke Hans, mein
Unglück, das schwarze Loch im Haushalt wäre
ganz sicher eine schwarze Kasse und hier
geschwiegen bis sich die Balken biegen, wäre
der kleine Unterschied in Lug und Trug.

Ach, wären meine Steuern wie diese Jamben,
fünfhebig. Dieses deutsche Drama wäre
niemals geschrieben. Reimen könnt’ ich, rühmen
den Reichtum meiner Kasse. Koch, darauf
den Reim? Ein jeder könnte ihn sich selber
und bündig machen. Mir bleibt aber nur
der blanke Vers und rabenschwarzer Blues.

 

 

Auch das nächste Gedicht ist ein politisches Gedicht, eine glossierende Parodie (oder auch parodierende Glosse). Hier habe ich rücksichtslos das Versmaß, Strophenform und oft auch die Reime von "Die Kraniche des Ibykos" von Friedrich Schiller geplündert. Es geht um eine Bundestagswahl. Um welche?

Die Spatzen des Stoiberius
(eine etwas schillernde Glosse)

Zum Kampf um Stimmen und Mandate,
der von den Alpen bis zum Watte
die schwarzen Scharen froh vereint,
zog Angelas geliebter Feind.
Ihm schenkt der freien Rede Gabe,
der Sätze süßen Mund Apoll.
So wandert er mit seinem Stabe
aus München her, so füllhornvoll.

Und munter fördert er die Schritte,
und sieht sich in des Studios Mitte,
da sperren, mit gedrangem Klang
zwei mörderische Äh’s den Redeschwang.
Umsonst war’s Schleifen, Vorbereiten,
dem Stab ermattet sinkt die Hand,
der Arbeitslosen-Leier zarte Saiten
sind so mit Äh’tsche Bätsch gebannt.

Der Kanzler geht nach alter Sitte
jetzt eben durch der Deutschen Mitte
besinnungsraubend, herzbetörend,
lochbeschweigend, hartzbeschwörend.
Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
selig nach Macht der Kandidat.
Ein Faltlhauser schweigt und webet
Lochgespinste zum Verrat.

Am Abend dann, der Stimmabgabe,
ein kleiner Schranz aus seinem Stabe
windet aus Lorbeer ihm den Kranz
zum großen Kanzler-Siegestanz.
Wer zählt die Sender, nennt die Namen,
die schwatzten trunken ihn zur Nacht,
und als dann letzte Zahlen kamen:
Wer hat da zuletzt gelacht?

Und schauerlich verdreht, im Kreise
beginnen sie des Hymnus Weise,
der durch das Herz zerreißend dringt.
Die Bande jetzt den Sieger schlingt.
“Uns Angela hat er betrogen
und unsern Kandidaten auch!“
Dumpfbrausend wie des Meereswogen
schwappt hier Theater aus dem Bauch.

 

Noch´n politisches Kampfgedicht.

Wahlkampf

Willst du nicht ´nen Hungerlohn,
dann keine Stimme der Union.
Wenn im Betriebe erst „verbündet“,
die Hoffnung auf Erhöhung schwindet.
Es ist so einfach, klar und schlicht,
mit Merkel wählst du Lohnverzicht.


Was aber erhöht wird, ist die Steuer:
Mieten, Heizöl und der Strom,
Autofahren, Telefon.
Merkel macht dir’s richtig teuer.
Hungertuch und Hungerlohn,
all dies bringt dir die Union.

 

 

Zu blöde? 

Nadinchen fehlte der Verstand,
weil blöd und fies sie Mathe fand.
Nadinchen pass nur auf im Leben,
sonst stehst du eines Tags daneben.
Denn ohne Mathe, liebes Kind,
der Mensch nur blöde Arbeit find!
Bringst 1 + 1 du nicht zustande,
dann sagt ein jeder hier im Lande:
"Eeh, krass, das ist ja voll die Öde,
die nehm' ich nicht, die ist zu blöde."

 

 
     
 
 

Diese Seite wurde zuletzt am Dienstag 20 Oktober, 2009 21:23 geändert.
© 2002 Wolfgang Appell

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Haikus

 

 
 
 
 
 
 
Unbesucht

Gräber voller Laub
flüstern alte Geschichten
von Liebe und Trost.
 

Erntedank

Kernig und gesund
thront er kugelrund über
seinem Kürbisvolk.

 

Biergarten

Laubbedeckt wartet
der Biergarten einmal noch
auf späte Sonne.

 

Bremer Gockel

Vertrieben das Pack!
Siegestrunken kräht der Hahn die Hennen herbei.

 

Kartoffelacker

Zerwühlt und zerzaust
trotzen die Furchen dem Wind,
bis der Bauer pflügt.

 
 

Drachen

Im Festtagsgewand
warten die Drachen auf Wind
zu buntem Treiben.

 

Schlossgarten

Fern hämmert ein Specht
und kahle Äste prahlen
in milder Sonne.

A woodpecker works
and bare-branched limbs light loudly
in the hushed sunshine.

 

Unentwegt

Unentwegt wartet
die steinerne Treppe auf
sportliche Schritte.


The staircase of stone
waits wisely and without wraith.
The striding will come.

 

Feuerdorn

Scharlachrote Glut
schüttet der Feuerdorn in
das dunkle Geäst.

 

Wächter

Schon lange bewacht
er den schlafenden Kriegsgott,
den Bogen gespannt

 

Nachsinnen

Der Abend kommt früh.
Im Garten ist Gitterlicht,
Raunen und Rauschen.

 
Die blaue Stunde

Draußen knirscht der Schnee.
Durch offene Vorhänge
träumt türkis das Licht.
 
 
Leberverse
 

Die Leber ist von einem Hecht,
und nicht von der Giraffe.
Mir ist von gestern ziemlich schlecht,
ich heut’ nur Leberverse schaffe.

Die Leber ist von einem Hecht,
drum ist sie schlank und rank.
Der meinen geht’s von gestern schlecht,
was ich dem roten Wein verdank
.

Die Leber ist von einem Hecht,
dies klingt nicht nach Exotik.
Doch reimt es sich mehr schlecht
als recht auf Wein und auf Erotik.

Die Leber ist von einem Hecht,
und nicht von dem Eunuchen.
Jetzt gebe ich den Folterknecht,
und werd’ nach seiner suchen.

Die Leber ist von einem Hecht,
und nicht von einem Zebra.
Ihm wäre jede Dame recht,
und käme sie aus Bebra.

Die Leber ist von einem Hecht,
und nicht von einem Biber.
Die Dame greift ihm ins Gemächt,
mehr Macht wär’ ihr jetzt lieber.

Die Leber ist von einem Hecht,
und nicht von einem Zossen.
Der Busen schien ihm nicht ganz echt,
trotzdem hat er die Nacht genossen.

Die Leber ist von einem Hecht,
und nicht von einem Kater. s’Verhüterli war wirklich schlecht,
es machte ihn zum Vater.

Die Leber ist von keinem Hecht,
und auch von keinem Schweine. Der meinen geht’s noch immer schlecht,
ich glaub’, ich schreib’s ins Reine.

 
Limerick
 

There was an old pied piper,
accused by a lady as a griper.
Let it me sipe,
She wasn’t a snipe,
But a nit-picking sniper.