Fränkischer Tag
Dienstag, 30. September 2003
Grundwerte für die Bühne und das Leben
Häftlinge der JVA Ebrach boten in Zusammenarbeit mit Weißem Ring Marionettentheater

„Der schwarze Abt“, aufgeführt von Häftlingen der JVA Ebrach, soll Grundwerte vermitteln.   Foto: jvieth

FORCHHEIM.  Liebevoll vorbereitet, fand jeder Besu- cher einen Kugelschreiber, eine Infobroschüre und einen Block des Weißen Rings auf seinem Zuschau- erplatz. Außergewöhnlich war die Kooperation des Weißen Rings und der Jugendvollzugsanstalt Ebrach.

Schließlich kümmert sich der Weiße Ring um die Opfer von Straftaten, während sich die JVA der Täter „annimmt“. Die Leiterin der Außenstelle des Weißen Rings in Forchheim, Monika Vieth, hatte das Team rund um den Gefängnisseelsorger Hans Lyer nach Forchheim geholt.
    Ungefähr 50 Leute fanden sich in der Jahnhalle ein. Oberbürgermeister Franz Stumpf kann sich vorstellen, Opfer zu sein, da vor einigen Jahren bei ihm zuhause eingebrochen wurde. Die Leiterin der Jugendvoll- zugsanstalt Ebrach, Renate Schöfer, hofft, dass aus „dem Zusammenstoßen von zwei Gegensätzen“ Positives zu ziehen ist.
    Sie stellte die JVA Ebrach vor und machte deutlich, dass es ihr größtes Anliegen ist, dass die Entlassenen ausreichende Schul- und Berufsbildung, eine Wohnung und einen Arbeitsplatz haben. Trotz der 337 Haftplätze ist die JVA im Steigerwald meist überbelegt mit 17- bis 24-jährigen Gefangenen, die wegen Drogen-Deals, Schlägereien, Einbrüchen oder Mord hinter Gitter mussten.
    Der Leiter des Marionettentheaters ist der Gefängnisseelsorger Hans Lyer. Der katholische Geistliche muss immer wieder mit „wechselnder Besetzung“ zurecht kommen. Vor zwei Jahren gründete er die Theatergruppe und arbeitet seit einem halben Jahr mit Pastoralreferent Andreas Lößlein zusammen. Lyer sieht sein Projekt als „einen Mosaikstein in der Arbeit mit jungen Straftätern“.
    Anfangs musste er die Häftlinge manchmal noch überreden, in seiner Gruppe mitzuwirken: „Aber wenn sie den Reiz an der Arbeit entdeckt haben, sind sie voll konzentriert bei der Sache.“

    „Der schwarze Abt“ erzählt von der Wandlung der Jugendvollzugsanstalt, die früher ein Kloster war und erst seit 1958 als JVA genutzt wird. Gesammelte Sagen und Legenden um das alte Kloster sind der Rahmen der Handlung. In sieben Szenen wird von der Gründung des Klosters 1127 bis heute erzahlt. Zwischen den Szenen entstanden immer kurze Umbaupausen, die mit gregorianischen Gesängen untermalt wurden.
    Die Geschichte handelt von zwei Mönchen, die einen geeigneten Ort für den Bau eines neuen Klosters suchen. Nachdem ein Wildschwein den Abtsstab geklaut hat und ihn dann in einem Sumpf wieder fallen ließ, sehen die Mönche das als Zeichen Gottes. Also bauen sie das Kloster genau an diese Stelle.
   Immer wiederkehrendes Element in der Rahmen- handlung ist der „schwarze Abt“. In Zeiten der Gewissenskrisen gibt er Ratschläge, die auf den rechten Weg führen sollen oder daran hindern, diesen zu verlassen. So mahnt er etwa, den „wirklichen Schatz im Herzen“ zu tragen und das Motto Benedikts ora et labora, zu befolgen. Dieses Motto soll sicherlich auch ein Stück weit auf die jungen Straftäter wirken. Der Pfarrer und der Pastoralreferent proben jeden Freitag mit den meist um die zehn Häftlingen. Dabei kümmern sich die Jugendlichen sowohl um das Stück, die Musik, die Nippen, das Bühnenbild als auch um die Technik.
   Lyer deutet das Missgeschick, dass eine der Marionetten bei der Zugabe ihren Kopf verlor, als Zeichen dafür, dass das Motto der Gruppe lautet „nicht den Kopf verlieren“. Bei der Zugabe durften die sechs Jugendlichen aus Ebrach die Marionetten nach „ihrer“ Musik tanzen lassen - natürlich untermalt mit Blitzlicht und unheimlichen Geräuschen.
   Vieth wünschte den Sechs, die in Forchheim begeisterten, „dass sie den richtigen Weg in die Zukunft finden“. Nach der Vorstellung konnten die Zuschauer noch einen Blick hinter die Kulissen werfen und einige Worte mit den jungen Straftätern wechseln.
faa